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Schlechte Laune oder Depression - So erkennen Sie die Unterschiede

Jeder kennt sie diese Tage, an denen sich der Grauschleier vor der Seele nicht heben will. Aber ist jeder heftige Blues gleich eine Depression? Wie erkennt man den Unterschied? Und ab wann sollte man schleunigst zum Arzt? Machen Sie sich nicht gleich verrückt und horchen Sie in sich hinein.

depressionen

Weitere Symptome

Seelische Verstimmungen können mindestens genauso entsetzlich sein wie körperliche Schmerzen. Oft genug gehen sie sogar Hand in Hand. Wenn es einen trifft, hat man das Gefühl wie ferngesteuert zu agieren, unfähig zu echten Emotionen. Eine bleierne Freudlosigkeit macht sich breit, selbst kleinste Aktivitäten kosten unglaublich Kraft.

Meistens aber spürt man nach einigen Tagen die Lebensenergie zurückfließen. Wenn der Schatten jedoch nicht mehr weichen will, auch nach Wochen nicht, dann besteht die Gefahr, dass aus der depressiven Phase eine handfeste Depression wird.

Der Unterschied zwischen einer leichten oder schweren Depression ist, dass man letzteres erst später wahrnimmt. Das heißt, bei einer depressiven Verstimmung fühlt man sich wirklich niedergeschlagen. Eine Depression hingegen kommt meist schleichend, oft bemerkt der Betroffene über längere Zeit zunächst ein körperliches Unbehagen. Schließlich entwickelt sich daraus ein quälendes Gefühl der inneren Leere, des Ausgebranntseins, der heillosen Überforderung. Das Leitsymptom einer Depression ist die Antriebslosigkeit, das Unvermögen, sich zu irgendetwas zu motivieren. Dazu kommen eine ständige innere Unruhe, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, tiefe Traurigkeit, Konzentrationsschwäche, Unentschlossenheit, das Gefühl den alltäglichen Erfordernissen nicht mehr gewachsen zu sein. Auch die Lust auf Sex lässt nach bis hin zu einem völligen Desinteresse.

Wenn man einen längeren Zeitraum nicht in der Lage ist mit Energie am Leben teil zu nehmen, dann leidet auch das Selbstwertgefühl. Zu dem ohnehin schwindenden an Aktivitäten kommen dann Rückzugstendenzen dazu. Je mehr man mit sich selbst beschäftigt, desto mehr verstärken sich Selbstanklagen und Schuldgefühle. Es entsteht ein Teufelskreis. Die Frage nach dem Lebenssinn drängt sich immer wieder quälend in den Vordergund. Allerhöchste Alarmstufe herrscht, wenn Gedanken an Selbstmord dazukommen oder sich verstärken.

Wen treffen Depressionen?

Theoretisch kann jeder Mensch an einer Depression erkranken. Aber praktisch führt eine Verbindung aus Veranlagung und Lebenssituation dazu. Rund 15 Prozent aller Menschen in Deutschland machen mindestens einmal in ihrem Leben eine depressive Phase durch. Als depressiv im klinischen Sinne wird man dann eingestuft, wenn die Symptome länger als 14 Tage anhalten. Frauen sind angeblich öfter betroffen als Männer. Jede Vierte erkrankt im Laufe ihres Lebens einmal an Depression. Wobei Frauen eher zum Arzt gehen und nicht so lange zögern wie Männer.

Warum kommt es zu Depressionen?

Die Gründe sind vielfältig. Oft geht dem Ausbruch der Erkrankung eine lange Phase der Anspannung voraus, ausgelöst durch belastende Ereignisse wie Trennung oder Verlust. Aber auch unbewältigte Konflikte, die man schon durch sein halbes Leben mitgeschleppt hat, wie traumatische (familiäre) Erfahrungen, können sich im Laufe des Lebens in einer Depression äußern.

Was hilft? Und warum?

Bei mäßigen Verläufen empfiehlt sich unbedingt eine Psychotherapie. Bei schwereren Depressionen gilt die Kombinationstherapie aus Psychotherapie und Medikation als aussichtsreich. Am besten man lässt sich von seinem Hausarzt zu einem Psychotherapeuten überweisen. Das klingt allerdings einfacher als gesagt, denn einem Depressiven mangelt es ja oft schon an der Kraft, das Telefon überhaupt in die Hand zu nehmen, geschweige denn, sich noch einen Therapeuten zu suchen. Wenn das der Fall ist, sollte man sich unbedingt jemandem anvertrauen, aber meistens hat Ihre Umgebung ja ohnehin schon registriert, dass etwas nicht stimmt. Gut wäre es, wenn Sie dann gerade in der Anfangszeit der Therapie Unterstützung haben.

Bei leichten depressiven Verstimmungen können Johanniskraut-Präparate aus der Apotheke Linderung verschaffen. Bei stärkeren Depressionen aber müssen Psychopharmaka an die fehlgeschalteten Synapsen ran.

Denn so undurchsichtig die Erkrankung noch immer ist, so gilt doch als gesichert, dass eine Irritation im Botenstoffhaushalt eine große Rolle spielt.

Die Vorbehalte gegen Psychopharmaka sind aber trotz ihrer guten Wirksamkeit und Verträglichkeit noch ziemlich groß. Was wohl daran liegt, dass sich hartnäckig das Gerücht über die vielen Nebenwirkungen hält. Sicher haben diese Arzneien Nebenwirkungen – wie alle anderen Medikamente auch. Wie immer gilt es eine Risiko-Nutzen-Abwägung zu machen. Und was ist schon eine leichte Übelkeit oder Durchfall, die sich aber vor allem zu Beginn einstellen, gegen das Elend einer Depression? Außerdem nehmen Millionen Frauen ziemlich bedenkenlos die Pille. Die beinhaltet ja auch künstliche Hormone und hat weitaus mehr Nebenwirkungen als Antidepressiva.

Was hilft nicht?

Für Nicht-Betroffene ist ein depressiver Mensch oftmals Rätsel und Zumutung. Noch immer sehen sich Erkrankte mit dem (stummen) Vorwurf konfrontiert, sich nicht zusammenreißen zu können. Oder aber sie müssen unaufhörliche Aufmunterungsformeln über sich ergehen lassen: „Das wird schon wieder!“, „Kopf hoch!“, „Lach doch mal!“. Das Problem allerdings ist, dass jeder Erheiterungsversuch dem Depressiven nur umso mehr seine verzweifelte Lage vor Augen führt.

Denn ein Depressiver kann sich nicht auf Kommando freuen, das ist Teil seiner Krankheit. Um aber Freunde und Verwandte nicht vor den Kopf zu stoßen, sollte man ihnen empfehlen, sich im Internet oder in Büchern über die Erkrankung zu informieren. Das nimmt dem Depressiven den Rechtfertigungsdruck und gibt den Angehörigen die Chance, sich angemessen zu verhalten.

Und wenn es doch nur ein Blues ist?

Dann haben Sie Glück! Auch wenn Sie das im Moment selbstverständlich nicht glauben können. Ein Blues zeichnet sich durch seine Flüchtigkeit aus.

Bis dahin sollten Sie intensiven Kontakt zu Ihren Freunden suchen. Gespräche mit Vertrauten haben oft eine Wunderwirkung. Achten Sie ein wenig mehr auf Ihre Bedürfnisse. Gönnen Sie sich ab und zu eine Extra-Portion Ruhe und Gelassenheit. Sprechen Sie ein klares Nein! aus, wenn Sie etwas überfordert. Sagen Sie sich und den anderen, dass Ihnen im Moment nichts so wichtig ist, wie Ihre Gesundheit.

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