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Die Welt wird durch das Internet immer kleiner. E-Mail, Chat und Handy-Flatrate machen es viel leichter, Freundschaften zu pflegen und neue Leute kennenzulernen. Doch der Segen kann auch zum Fluch werden. Wenn z.B. aus einer Internetbekanntschaft Liebe wird und die Partner nicht in der gleichen Stadt wohnen. Die Lösung heißt dann oftmals Fernbeziehung.
Jede siebte Beziehung in Deutschland wird über eine räumliche Distanz geführt. Doch es gibt einen Trost vorweg: Rein statistisch halten sie genauso lang (oder kurz) wie Nahbeziehungen, nämlich drei Jahre. Bei Julia (26) und Johannes (31) wurde aus einem Online-Flirt eine Fernbeziehung. Die beiden lernten sich vor zwei Jahren in einem Chatforum kennen und merkten rasch, dass sie sich mehr mitzuteilen haben außer Nettigkeiten. Es entwickelte sich ein intensiver Mail-Wechsel, in dem sie beide viel voneinander erfuhren. Über das Schreiben begannen sie fast unmerklich eine Beziehung zu führen, ohne dass sie sich bis dahin gesehen hätten.Nach einigen Wochen gestanden sie sich ihre Liebe. Eigentlich der richtige Zeitpunkt, um sich schleunigst von der Tastatur zu lösen und sich in die Arme zu fallen. Was nicht so einfach ist, wenn sie in Bremen und er in Frankfurt lebt. "Ins Herz getippt" Doch lässt sich die Vertrautheit, der spezielle Ton, das Spielerische überhaupt in die Wirklichkeit holen? Julia und Johannes gestehen, dass sie ziemlich nervös waren vor der ersten Begegnung. Was, wenn man sich plötzlich nichts mehr zu sagen hat, wenn der Gesprächsfluss dauernd stockt, und schlimmer: Wenn man sich gar nicht riechen kann – im wahrsten Sinne des Wortes. Bei Julia und Johannes prickelte es aber auch im „echten Leben“ gewaltig. Seither pendelt alle zwei Wochen einer von beiden quer durch die Republik, sechs Stunden Zug- oder Autofahrt hat derjenige dann vor sich. Freitags und sonntags.
Wichtig ist, eine gute Balance zu schaffen zwischen Ritual und Spontaneität. Der Freitag-Abend ist der durchritualisierteste Abend. Der Daheimgebliebene bekocht den Ankömmling und dann reden sie bis ihnen die Augen zufallen. Manchmal verkriechen sie sich auch gleich ins Bett, obwohl sie zugeben, dass Müdigkeit der Feind der Erotik ist. Dafür sei es dann Samstag und Sonntag besonders schön, sagen sie lächelnd.. „Es ist wichtig, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen, unbedingt immer viel miteinander erleben zu müssen“, sagt Johannes, „ein bisschen Alltag muss auch sein. Dazu gehören Einkäufe, gammeln, Spaziergänge.“ Ab und zu sei es aber wichtig, etwas gezielt zu unternehmen, einen Ausflug oder ein Besuch bei Freunden. Gerade weil es in einer Fernbeziehung so schwer ist, auch noch einen gemeinsamen Freundeskreis zu haben, ist es von Vorteil, wenn es ein paar unkomplizierte Kontakte gibt. Der Sonntag ist der schwerste Tag in Fernbeziehungen. Beide wachen oft schon mit einem mulmigen Gefühl auf, denn sie wissen, dass sie sich bereits in wenigen Stunden wieder für zwei Wochen trennen müssen. Und während der eine dann bei einer langen Rückfahrt die Tage Revue passieren lassen kann, bleibt der andere mit dem Geschirr vom gemeinsamen Frühstück zurück.
Die größte Chance in einer Fernbeziehung liegt darin, denn Aufwand, den die Partner treiben als Liebesbeweis zu begreifen. Zumal die Neugierde aufeinander so lange erhalten bleibt. Es gibt auch viel selten Streitereien wegen Kleinigkeiten. Für sehr unabhängige Menschen bleibt mehr Freiraum, Karriere-Menschen müssen nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben, weil sie abends wieder nicht aus dem Büro gekommen sind. Das Aufrechterhalten und Pflegen einer Fernbeziehung spricht für eine sehr starke Bindung beider Partner. Im Übrigen gehen Menschen in Fernbeziehungen seltener fremd als in Nahbeziehungen.
Um der Fernbeziehung eine solide Grundlage zu geben, sollten ein paar Sachen beachtet werden. Mit einfachen Tipps kann man so Einiges in die richtige Bahn lenken. Die Partner sollten in der Wohnung des anderen nicht nur die Zahnbürste, sondern auch weitere persönliche Dinge deponieren. Das bringt für beide einen Vorteil. Der eine ist dann täglich von Dingen des Partners umgeben und der andere fühlt sich gleich etwas heimeliger, wenn er nach der Ankunft im Schrank seinen Kuschelpulli oder in der Küche seine Lieblingstasse wiederfindet. Am Wichtigsten jedoch ist der offene, vertrauenswürdige Umgang. Es bringt auch nichts, wenn einer dem anderen ein Problem verschweigt, um ihn nicht zu belasten, aber dann am Telefon am anderen Ende der Leitung Zweifel und Unbehagen aufkommen. Ganz besonders schlimm wird es, wenn der Partner tatsächlich mal erkrankt und man sich nicht sofort um ihn kümmern kann. Wenn man ein gutes Verhältnis zu seinem Arbeitgeber hat, sollte man sich nicht scheuen, ihn in die Beziehung einzuweihen. Dann kann er im Falle eines Falles auch verständnisvoller und flexibler reagieren.
Jeder, der sich in einem Online-Flirt-Portal registriert, sollte sich von vornherein die Frage stellen, ob er überhaupt für eine etwaige Fernbeziehung geeignet ist. Jemand, der emotional sehr stark abhängig ist von der physischen Präsenz des Partners, der sollte besser auf Fern-Herz-Experimente verzichten. Auch die Neigung zu übertriebener Eifersucht oder das Verlangen nach täglichem Sex stehen dem entgegen. Diejenigen sollten lieber von Beginn an den Suchumkreis eingrenzen oder sich auf regionale Single-Börsen konzentrieren.
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