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Männer, die Männer küssen? Irgendwie unschön. Frauen, die Frauen küssen? Sexy! Männliche und weibliche Homosexualität wurden in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit oft unterschiedlich bewertet. Was bei Männern lange Zeit als "pfui" galt, wurde bei Frauen stillschweigend geduldet, als Zärtlichkeit unter Verwandten verkannt, als "Durchgangsphase" auf dem Weg zur heterosexuellen Entwicklung verharmlost oder nicht ernst genommen.

Oft wurden Lesben aber auch als "Mannweiber" verunglimpft. Vor nicht allzu langer Zeit wurden Frauen, die Frauen liebten, noch etwas distanziert "Lesbierinnen" genannt. Inzwischen nennen sie sich selbst ganz unkompliziert "Lesben". Früher war es gang und gäbe, lesbische Beziehungen zu verheimlichen oder nur unter dem Denkmantel der Verschwiegenheit zu leben. Unzählige Frauenlieben zerbrachen an dem gesellschaftlichen Zwang zum heterosexuellen Lebensstil oder konnten nach außen nicht offen in Erscheinung treten. Dennoch: Die lesbische Liebe hat sich im Laufe der Jahrhunderte als sehr widerstandsfähiges Pflänzchen erwiesen. Lesbisches Leben ist heute sehr viel problemloser. Lesbische Liebe ist eine real existierende und auch real lebbare Alternative zur heterosexuellen Liebe geworden. Peu à peu wird sie auch nach außen hin sichtbarer. Die Partnerschaft von Cornelia Scheel mit Hella von Sinnen etwa oder auch die knappe Feststellung der Fernsehmoderatorin Anne Will "Ja, wir sind ein Paar!", die diese zu ihrer partnerschaftlichen Verbindung mit der ebenfalls durch die Medien bekannten Professorin Miriam Meckl abgab, haben auch in Deutschland eine neue Ära eingeläutet. Seit sich auch in politischen Kreisen Homosexuelle freimütig "outen"- man denke nur an den deutschen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und an Klaus Wowereit (SPD), den Regierenden Bürgermeister Berlins,der mit seinem Ausspruch "Ich bin schwul...und das ist auch gut so!" Kulturgeschichte geschrieben hat - scheint eine gesellschaftliche Wende hin zur Wertschätzung von Homosexualität vollzogen.
Langsam scheint sich die Erkenntnis Bahn zu brechen, dass Menschen, unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht, weibliche wie männliche Seelenanteile besitzen und das Mischungsverhältnis derselben eben äußerst individuell ist. Es gibt also gerade heute keinen Grund mehr, lesbische Neigungen zu verleugnen. Auch wenn Lesben immer ein wenig im Schatten ihrer schwulen "Brüder" standen, sollten auch sie nicht darauf verzichten, ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen und selbstbewusst in die Sichtbarkeit zu drängen. Und wenn es dann geschieht, das Wunder einer lesbischen Liebesbeziehung, es nicht schamhaft verhüllen, sondern strahlend sagen "Ja, wir sind ein Paar!"
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