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In der Jugend gibt es eigentlich nur ein Thema: Das 1. Mal. Sagenumwoben, erregend, und auch ein wenig gefürchtet. Was aber, wenn man als Erwachsener nach langer Abstinenz nochmals mit diesen Unsicherheiten konfrontiert wird? Wenn der Sex seine Selbstverständlichkeit verloren hat? Kann man ihn gar verlernen?
Es gibt viele Gründe für eine anhaltende Abwesenheit von Sex und Erotik. Krankheiten, körperliche wie seelische, vertreiben die Lust oftmals für eine unbestimmte Zeit. Ebenso läuten Schwangerschaft und Geburt nicht selten eine lange Phase der Enthaltsamkeit ein. Und nicht zuletzt können Trauer und Trennung ein Liebesleben für eine Weile unmöglich machen.
Ein Spezialfall ist der Single, dem es eigentlich an nichts mangelt, außer vielleicht an erotischen Techtelmechteln. Denn viele Singles haben sich irgendwann wunderbar mit ihrem Einzel-Dasein arrangiert: sich in den Beruf gestürzt, das Hobby exzessiv gepflegt und die Freundin mit ihrem zermürbenden Beziehungsstress bedauert. Der letzte Sex liegt gefühlte Ewigkeiten zurück, manchmal wird er freilich vermisst. Aber vielleicht hat man entdeckt, dass man mit sich selbst auch einigen Spaß haben kann.
Doch dann gibt es wieder jemanden, der die Region unterhalb des Bauchnabels in Aufruhr versetzt. Plötzlich erinnert man sich: „Moment, da war doch noch was!“
Umfragen allerdings bestätigen eine unerwartete Tendenz: Frauen und Männer tun sich gleichermaßen schwer beim ersten Sex nach langer Zeit. Überraschend lange hadert man mit der geschlechtlichen Vereinigung und begnügt sich stattdessen mit Händchen halten und knutschen. Was also sind die Ursachen dieses Zögerns?
Die Frage, ob man Sex verlernen kann, ist natürlich eher provokativ gemeint. Man weiß, dass man ihn 'technisch' kaum verlernen kann. Fremdsprachen verlernt man eigentlich immer. Aber motorische und körperliche Fähigkeiten wie schwimmen oder Rad fahren – und eben auch Sex - verlernt man praktisch nie. Doch darum geht es vermutlich auch gar nicht. Hinter der Formel „Sex verlernen“ verbirgt sich eine andere Befürchtung, die nämlich, dass man sich nicht mehr auf einen anderen Körper einlassen kann, dass man sich nicht mehr fallen lassen und kaum mehr vertrauen kann. Wenn man längere Zeit nicht mehr begehrt wurde, hat vielleicht auch das Selbstbewusstsein gelitten. Sehr schnell gesellen sich dann noch Schüchternheit und Scham dazu. Man stellt den eigenen Körper in Frage und scheut sich auch, den anderen Körper zu entdecken. Wie kann man diese Blockade durchbrechen?
Zunächst sollte man sich nicht drängen lassen, nicht von sich und schon gar nicht vom anderen. Um ihn aber auch nicht zu sehr zu irritieren, ist ein Gespräch unabdingbar. In einem Sex-Aufschub stecken Problem und Chance gleichermaßen.
Das Problem: Das Thema gerät noch größer und bedeutsamer, als es ohnehin schon ist. Folglich steigt der Erwartungsdruck – auf beiden Seiten. Das zweite 1. Mal wird mit so viel Bedeutung aufgeladen, dass es dann eventuell gar nicht einlösen kann. Die innere aber auch körperliche Verkrampfung nimmt vermutlich zu.
Die Chance: Durch den Aufschub bleibt den Partnern gar nichts anderes übrig, als sich auf die berühmten inneren Werte zu konzentrieren. Gespräche und Begegnungen können eine ungeahnte Tiefe und Intensität erreichen. Sofern man keine grundsätzlichen Bedenken gegen Sex hat, kann man die 'Keuschheit' auch als Spiel begreifen. Spannung und Erregung werden gesteigert. Die Neugier wächst - und irgendwann weicht das Zögern einem einzigen Sinnen-Rausch. Denn wenn man schon seinem Körper nicht recht vertraut, so kann man doch seinem „Körpergedächtnis“ vertrauen. Das nämlich hat die sexuellen Berührungen und Bewegungen quasi abgespeichert. Im Gegensatz zum ersten 1. Mal kann und wird sich der Körper, besser das Gehirn, daran erinnern und somit auch die Glückshormone ausschütten. Darauf hat das Belohnungszentrum im Gehirn lange gewartet. Es wird Ihnen sehr dankbar sein.
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