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SMS mitlesen ist ein Phänomen, das bekanntlich erst mit dem Aufkeimen der neuen Technologien möglich ist, dennoch ist der Ursprung dieses Verhaltens ganz tief in der menschlichen Natur begründet: Die Eifersucht und eine Mischung aus Unsicherheit und Neugier treiben uns manchmal zu einem Kontrollverhalten, das empfindlich in die Privatsphäre unserer Mitmenschen eingreift.
Dabei sind von dem Drang, SMS mitlesen zu müssen, eher Frauen als Männer betroffen. Eine aktuelle Studie der Partnervermittlung ElitePartner bestätigt, dass Frauen eher zu Kontrollverhalten und Eifersucht neigen. Sehr markant ist dabei jedoch, dass das weibliche Geschlecht dabei auch viel eher die Möglichkeiten nutzt, die ihm gegeben sind: Das Web 2.0 bietet unzählige Gelegenheiten, um den Partner im Internet zu kontrollieren und auch Handy, Mailprogramme und persönliche Dateien auf dem Computer sind, gerade in einer Beziehung, leicht zu überwachen.
Wie ElitePartner herausfand, würden ganze 66 % der männlichen Singles, jedoch nur 44% der weiblichen Alleinstehenden ihrem Partner gänzlich vertrauen. Das allein führt jedoch noch nicht dazu, den Partner geradezu zu „stalken“ oder seine SMS oder Mails mitzulesen. Meistens macht die Gelegenheit den „Kontrolleur“ in Sachen Treue und so geben dann auch genügend Menschen - nämlich jeder Zehnte- zu, dass sie in einer Partnerschaft bereits heimlich die SMS mitgelesen oder die Mails des Partners kontrolliert haben.
Man muss nicht in einer Beziehung sein, um jemanden im Internet geradezu zu verfolgen: Ganze 40 % der befragten Frauen geben laut ElitePartner an, dass sie nach einem Date mit einer Onlinebekanntschaft regelmäßig sein Profil in der Singlebörse oder der Partnervermittlung kontrollieren. Interessant ist demnach vor allem die Häufigkeit der Log-Ins nach dem Treffen. Nur 28% der Männer würden gleiches tun.
Die Frage ist angesichts dieser Zahlen, wie weit die digitale Eifersucht und die daraus resultierenden Kontrollzwänge vieler Menschen in die Persönlichkeitsrechte der anderen eingreifen. Vielmehr noch aber interessiert der Aspekt, inwieweit es den kontrollierenden Menschen überhaupt bewusst ist. Grenzen werden im Web 2.0 recht schnell überschritten, nicht nur in Bezug auf Online-Dating, sondern in jedem Bereich. Wenn wir das Internet aber in Zukunft nur noch als Instrument zum Kennenlernen, Kontrollieren und Eifersucht schüren benutzen, wo bleiben dann die Chancen für die echten Gefühle im wahren Leben? Und wie soll man in Zukunft noch Vertrauen entwickeln, angesichts der vielen losen und, zu falschen Schlussfolgerungen verleitenden, Schnipsel von Informationen, die man in Sozialen Netzwerken, bei Google und auf Partnerseiten-Profilen über einen Menschen findet? Andererseits geben 36 % der Singles laut Studie an, dass Kontrolle durch den Partner ein Trennungsgrund sei. Neu-Singles würden dann theoretisch wieder eine Singlebörse und andere Möglichkeiten nutzen, um einen Partner zu finden. Ist diese Spirale aus ewiger Kontrolle und dem fast zum eigenen Dogma gewordenen Zwang, persönliche Daten von sich in das Netz zu stellen, das Babylon des modernen Menschen?
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